Web-Serie des Bocholter Regisseurs Lorei für renommierten Grimme-Preis nominiert



Eine historische Geschichte, modern erzählt: Längst sorgt die an zahlreichen Orten im Münsterland gedrehte Serie „Haus Kummerveldt“ weit über die Region hinaus für Furore. In der Entstehung wurde die Dramedy vom Münsterland e.V. unterstützt. Nun fiebert das Serienteam um Produzentin Lotte Ruf und Regisseur Mark Lorei dem 14. März entgegen: Dann stellt sich heraus, ob „Haus Kummerveldt“ den renommierten Grimme-Preis erhält. Für die Macher ist schon die Nominierung eine Sensation.

„Gleich mit dem Debüt für den wichtigsten deutschen Fernsehpreis nominiert zu sein ist mehr, als ich mir jemals erträumt habe“, sagt Lotte Ruf. „Es ist eine große Ehre.“ Aus über 750 Einsendungen hat das Marler Grimme-Institut 64 Produktionen und Einzelleistungen ausgewählt. Vergeben wird der Grimme-Preis in vier Kategorien. Neben „Haus Kummerveldt“ sind in der Sparte „Fiktion“ 15 weitere Produktionen im Rennen.

„Haus Kummerveldt“ handelt von der Rebellion der jungen Adligen Luise (gespielt von Milena Straube) gegen die Konventionen im wilhelminischen Kaiserreich. Luise sehnt sich danach, Schriftstellerin zu sein wie ihr Vorbild Annette von Droste-Hülshoff. Nach dem Tod des Vaters nutzt ihr Bruder Veit (Marcel Becker-Neu) seine Macht als Vormund – und verfolgt ganz andere Pläne. „Mit Blick auf das 19. Jahrhundert haben uns vor allem die Gegenwartsbezüge interessiert“, erläutert Regisseur Mark Lorei die Idee zur fiktiven Serie. „Denn es gibt starke Kontinuitäten besonders zwischen sozialen und sexistischen Mustern der damaligen und der heutigen Gesellschaft.“

Bislang umfasst „Haus Kummerveldt“ sechs Folgen à rund 20 Minuten. Nach einer vom Münsterland e.V. organisierten Filmtour durch die Region sowie Premieren auf mehreren Filmfestivals ist die Serie online in den Mediatheken von ARD und Arte zu sehen. Hunderttausende Videoabrufe wurden seit dem Sommer 2023 erzielt.
Von Beginn an hat das Kulturbüro des Münsterland e.V. „Haus Kummerveldt“ begleitet, Partner vor Ort vermittelt und den Weg für eine Förderung durch das Regionale Kultur Programm NRW (RKP) geebnet. „Format und Inhalt stießen bei uns sofort auf große Begeisterung“, erinnert sich Andre Sebastian, Leiter des Kulturbüros, an die ersten Gespräche im Herbst 2017. „Solche innovativen und ungewöhnlichen Projektideen bekommt man auch nicht alle Tage präsentiert. Es war sehr spannend, die Entwicklung des Projekts in den vergangenen sechs Jahren zu beobachten. Zwar spielt die Geschichte in der Provinz, aber die Umsetzung hat nichts Provinzielles an sich. Im Gegenteil: Wer eine Folge sieht, ist überrascht, wie zeitgemäß und professionell hier gefilmt wurde. Und natürlich freut es mich sehr, dass wir als Kulturbüro Teil dieser Erfolgsgeschichte sein durften.“

Produzentin Lotte Ruf betont: „Ohne das Münsterland gäbe es die Serie nicht. Die 2019 gedrehten Pilotepisoden wurden komplett von Förderern und Partnern aus der Region finanziert. Für diesen wahnsinnigen Rückhalt sind wir sehr dankbar. Auch an unseren Drehorten im Münsterland wurden wir mit offenen Armen empfangen.“ In der Welt der Luise von Kummerveldt entdecken ortskundige Zuschauerinnen und Zuschauer laufend vertraute Stätten. So wurde das Haus Welbergen in Ochtrup zum Stammsitz der Adelsfamilie. Weitere Drehorte waren die Bibliothek auf Burg Hülshoff in Havixbeck, die Häuser Rüschhaus in Münster und Runde in Billerbeck, die Burg Vischering in Lüdinghausen und das LWL-Museum Textilwerk in Bocholt.

Um jene Kulissen zu finden, tauschte sich das Team mit dem Filmservice Münster.Land und Christine Konken vom Münsterland e.V. aus. „Die Serie verschafft der Schlösser- und Burgenregion einen neuen Look, der ein Publikum abseits unserer touristischen Zielgruppen anspricht, diese aber nicht ausschließt“, sagt Konken. „Der feministische Aspekt und die Aktualität von ‚Haus Kummerveldt‘ kontrastieren optimal mit den historisch gesetzten Charakterbauten des Münsterlandes, ohne sie dabei vorzuführen oder zu denunzieren. Starke Frauen und das Sichtbarmachen von Bewohnerinnen sind so auch für reale Häuser interessanter geworden.“

2022 gründeten Lotte Ruf und Mark Lorei die Produktionsfirma Goldstoff Filme mit Sitz auf Haus Itlingen in Ascheberg-Herbern. Gemeinsam wollen sie sich künftig weiteren historischen Geschichten widmen. Priorität hat die Fortsetzung von „Haus Kummerveldt“ – beflügelt von der öffentlichen Aufmerksamkeit durch den Grimme-Preis. Lotte Ruf: „Wir hoffen auf einen Karriereschub, der dann auch die Finanzierung einer nächsten Staffel deutlich erleichtert.“

Jetzt heißt es mitfiebern: Wer zu den Preisträgerinnen und Preisträgern des 60. Grimme-Preises zählt, wird am 14. März bekanntgegeben.
Ein ausführliches Interview mit Lotte Ruf sowie weitere Infos und Hintergründe zu „Haus Kummerveldt“ gibt es beim Münsterland e.V. auf go.muensterland.com/hauskummerveldt

Foto: ABBYLL / Goldstoff Filme

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