Wirtschaftsstandort D: Große Unsicherheit in der M+E-Branche



Wirtschaftsstandort D: Große Unsicherheit in der M+E-Branche

Die Industrieunternehmen in der Region Ruhr-Niederrhein sind stark verunsichert und blicken mit großer Sorge in die Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage des Unternehmerverbandes mit Sitz in Duisburg. Ein Viertel der befragten Metall- und Elektrounternehmen (M+E) erwartet demnach für die kommenden sechs Monate schlechtere Geschäfte. 64 Prozent hoffen zumindest auf eine gleichbleibende Geschäftslage, wenn auch auf schwachem Niveau. Gerade einmal 9 Prozent erwarten eine Belebung des Geschäfts – im Vorjahreszeitraum waren das noch 19 Prozent. Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes: „Die Lage der M+E-Branche hat sich noch einmal deutlich eingetrübt. Planungen werden zurückgestellt, weil niemand weiß, was sich als nächstes ändern wird. Wenn man bedenkt, dass unsere Industrie der Wachstumsmotor in diesem Land und zugleich auch ein Gradmesser für die gesamte Stimmung des Wirtschaftsstandorts ist, sind das sehr bedenkliche Entwicklungen.“

Besonders besorgt blick Schmitz auf die Investitionstätigkeit im Inland: 55 Prozent der befragten Unternehmen haben 2023 in Deutschland weniger investiert als 2022 (2022 zu 2021: 31 Prozent). Das Geld floss geradewegs ins Ausland, 60 Prozent der Unternehmen berichten von steigenden Investitionen außerhalb der deutschen Grenzen im Jahresvergleich. Zum Vergleich: 2022 lag dieser Wert bei exakt 0 Prozent.

„Wir beobachten eine massive Verschiebung der Investitionsvolumina vom In- ins Ausland“, so Wolfgang Schmitz. „Das ist zweifelsohne eine konkrete Folge der enormen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten am Wirtschaftsstandort Deutschland und ein Vorbote der Deindustrialisierung – diese wird kommen, wenn sich nichts ändert. Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht, die Energiepreise sind zu hoch, die Infrastruktur marode – hier muss die Politik sich jetzt zusammen- und dann das Ruder herumreißen.“ Geld, das im Ausland investiert werde, komme nicht mehr zurück.

Entsprechend mau schaut auch die aktuelle Auftragslage der Unternehmen aus: Nur 18 Prozent der Unternehmen sind mit den Aufträgen aus dem Inland mehr als zufrieden. Im Vorjahr waren es noch 63 Prozent. Die ausländische Ordertätigkeit bezeichnen gerade einmal 11 Prozent als gut (2022: 38 Prozent). Und auch für das erste Halbjahr 2024 sind die Erwartungen sehr zurückhalten. 18 Prozent der Befragten rechnen mit einer besseren inländischen Nachfrage, 11 Prozent mit einer Belebung aus dem Ausland. Im Vorjahr lag dieser Wert jeweils bei 19 Prozent.

Diese Zahlen machen sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. In den vergangenen sechs Monate mussten 9 Prozent der befragten Unternehmen Mitarbeitende entlassen – im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert genau bei 0 Prozent. In den kommenden sechs Monaten rechnen 18 Prozent mit weiteren Entlassungen (2022/2023: 13 Prozent).

Schmitz: „Wenn die Unternehmen trotz des immer stärkeren Arbeits- und Fachkräftemangels Mitarbeitende freisetzen müssen, dann sind wir auf einem sehr gefährlichen Pfad unterwegs. Die Politik sagt mittlerweile immerhin, dass das Problem erkannt sei. Jetzt muss sie aber auch handeln.“

Ansprechpartner

Quelle: Unternehmerverbandsgruppe

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