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Römerlager in Bocholt? Hobby-Historiker Michael Raab auf Spurensuche in den Hohenhorster Bergen

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Ein Schwert, ein Jugendtraum und mehr als vier Jahrzehnte Recherche: Der Bocholter Hobby-Historiker Michael Raab ist überzeugt, dass in den Hohenhorster Bergen einst ein römisches Militärlager stand. Einen endgültigen Beweis gibt es bisher nicht. Deshalb sucht er jetzt Mitstreiter, die gemeinsam mit ihm forschen wollen.

Angefangen hat alles, als Michael Raab 13 Jahre alt war. Mit Freunden baute er in dem heutigen Naturschutzgebiet eine Bude, und dabei fand er ein Schwert. Er gab es seinem damaligen Geschichtslehrer. Für den Jungen stand fest: Das Schwert muss römisch sein. Später stellte sich heraus, dass es wahrscheinlich nur  das Souvenir eines Wehrmachtsoffiziers war, also weit entfernt von den Römern. Doch der Forscherdrang war geweckt und ließ ihn nicht mehr los.

Sein Vater hatte die Heimatzeitschrift „Unser Bocholt“ abonniert, und Raab las immer wieder von Funden in den Hohenhorster Bergen. Über Jahrzehnte begleitete ihn das Thema. Wenn er nachts nicht schlafen konnte, griff er zu alten Büchern und recherchierte weiter. Dabei fiel ihm auf, dass es in der Region eine sogenannte Römerlandwehr gegeben haben soll.

Er vertiefte sich in die römische Militärgeschichte und stieß auf eine Faustregel: Römische Truppen legten auf dem Marsch meist 20 bis 25 Kilometer am Tag zurück, am liebsten geradeaus. Nach seiner Rechnung passt die Entfernung zwischen Xanten und Bocholt genau in dieses Muster. Und an markanten Punkten entlang einer solchen Route, so Raab, gebe es tatsächlich Römerwarten und Römerlager.

Eine Schwierigkeit kennt der Hobby-Forscher selbst genau: Topographische Karten zeigen, dass die Hohenhorster Berge früher 16 bis 18 Meter höher waren als heute. Der Sand wurde über Jahrhunderte, zuletzt nach dem Krieg sogra industriell, abgebaut. Viele Dünen sind verschwunden. Wer dort heute nach Spuren sucht, findet vermutlich wenig, denn das Gelände hat sich massiv verändert.

Die entscheidende Wende kam vor etwa zehn Jahren. An einem Sonntagmorgen stieß Raab in einer Frankfurter Bibliothek auf einen Bericht eines Professors Dr. Schneider. Dieser hatte 1878 die Hohenhorster Berge vermessen und dort nach eigener Darstellung ein römisches Lager identifiziert, mit Lageplan und Beschreibung. „Da war ich natürlich wieder angefixt“, sagt Raab. Seitdem hat er viel dazu geschrieben und Material zusammengetragen.

Warum aber sollten die Römer ausgerechnet in Bocholt ein großes Lager gebaut haben, nach Raabs Überzeugung kein Saisonlager, sondern ein dauerhaftes Lager für mehr als zwei Legionen? Er nennt mehrere Gründe. Die Hohenhorster Berge seien die einzige Anhöhe in der Gegend, die dafür infrage komme, und mit der nahen Aa sei Wasser vorhanden gewesen. Dazu kommt eine Beobachtung zu alten Wegen: Den Hellweg in Suderwick und Dinxperlo beispielsweise kennt jeder. Beim Vergleich mit allen verfügbaren Karten von Bocholt schien es Raab, dass es sich um einen alten Heerweg handelt und dass sich Wege in der Nähe der Hohenhorster Berge kreuzten. Bewiesen sei das nicht, sagt er, aber das Kartenmaterial deute klar darauf hin.

Hinzu kommt seine strategische Theorie. Nachweislich war Haltern an der Lippe ein römisches Lager, große Güter wurden über Rhein und Lippe dorthin gebracht. Militärisch sei es sinnvoll gewesen, den vorgelagerten Raum abzusichern. Ein Lager in Bocholt hätte demnach den Warentransport Richtung Haltern geschützt. Raab nennt das ausdrücklich seine Arbeitshypothese.

Er hat seine Überlegungen mit Karten und Unterlagen zusammengefasst und das Gelände zusammen mit einem Freund mit einer Drohne abgeflogen. Aus den Aufnahmen ließ er ein Bild erstellen, aus dem der Bewuchs herausgerechnet wurde, und legte alte Pläne darüber. Der endgültige Beweis fehlt trotzdem bis heute.

Genau deshalb sucht Raab jetzt Verstärkung. Die Aufgabe sei für eine Person allein zu groß. Er wünscht sich Interessierte, die zusammen recherchieren und sich die Arbeit teilen: Archive durchforsten, Karten auswerten, Literatur sichten, jeder nach seinen Möglichkeiten. „Ich bin da felsenfest von überzeugt, und ganz viele Fakten sprechen da für sich“, sagt er.

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