Bocholter ist „Lieblingsbusfahrer 2026“: Antony Chandrasegaram nahm in Utrecht gestrandete Fahrgäste mit

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Ein Busfahrer, der im Schneechaos nicht auf Fahrplan und Vorschrift schaut, sondern auf die Menschen am Straßenrand: Für genau diese Haltung ist Antony Chandrasegaram (Foto: 2.v.r.) von der LTB Bus GmbH (Bocholt), die im Auftrag von FlixBus fährt, jetzt bundesweit ausgezeichnet worden. Er gewann den Wettbewerb „LieblingsbusfahrerIn“ in der neu geschaffenen Kategorie Fernbus. Die Entscheidung fiel im Kulturzentrum Peter Edel in Berlin.
Ausgelöst hat die Auszeichnung die Geschichte eines Fahrgastes. Er war im Januar mit dem Fernbus von Köln nach Amsterdam unterwegs. Es hatte stark geschneit, in den Niederlanden ging nach seinen Worten „gar nichts mehr“, der öffentliche Verkehr war lahmgelegt. Beim Zwischenhalt in Utrecht standen viele Menschen ohne Weiterfahrmöglichkeit da. Chandrasegaram entschied sich, die noch freien Plätze in seinem Bus an Gestrandete zu vergeben, die irgendwie nach Amsterdam wollten. Der Fahrgast schrieb dazu: „Es war einfach pure Freundlichkeit, Mitgefühl und Selbstlosigkeit des Fahrers, einen Teil der in Utrecht gestrandeten Menschen mitzunehmen. Einfach total klasse! Sehr liebenswert!“
Dass diese Geschichte unter mehr als 3.000 Einsendungen heraussticht, sagt einiges. So viele Fahrgasteinsendungen gab es in der Geschichte des Wettbewerbs noch nie. Eine Jury wählte daraus zunächst die TOP 30 und anschließend die TOP 5 aus. Die fünf Preisträger kommen aus den Kategorien Alltagsheld:in (zweimal), Außergewöhnliche Leistung, Schülerverkehr und eben Fernbus. Chandrasegaram setzte sich in dieser Spitzengruppe durch, mit einer Geste, die nichts mit Dienst nach Vorschrift zu tun hat: Er half spontan, unkompliziert und ohne dass es jemand von ihm verlangt hätte.
Der Wettbewerb wird seit vier Jahren ausgerichtet. Fahrgäste können ihre persönliche Bus-Geschichte jedes Jahr über ein Online-Formular einreichen, auf lieblingsbusfahrerin.de, und damit den Fahrerinnen und Fahrern Danke sagen. Eine vielfältig besetzte Jury wählt die bemerkenswertesten Geschichten aus und ermittelt anhand der Angaben zu Datum, Uhrzeit, Buslinie, Busgesellschaft und Haltestelle die jeweiligen Fahrer:innen. Auch die Fahrgäste, die die Siegergeschichten eingereicht haben, erhalten ein Dankeschön. Jährlich gehen rund 2.000 bis 2.500 Busgeschichten ein, teils auch als Bilder und Zeichnungen.
Hinter der Aktion stehen der Fahrgastverband PRO BAHN, die DB Regio, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Im Mittelpunkt stehen die rund 100.000 Busfahrerinnen und Busfahrer bei öffentlichen Unternehmen und privaten Busbetreibern im Nah- und Fernverkehr. „Wir wollen die Leistung des Fahrpersonals sichtbarer machen: Busfahrerinnen und Busfahrer machen den Unterschied – gerade dann, wenn es im Alltag herausfordernd wird“, sagt Jörg Bruchertseifer, Bundesreferent Integrierte Mobilität bei PRO BAHN. Sie stünden für Sicherheit, Verlässlichkeit und Service. Die Wertschätzung sei angesichts zehntausender unbesetzter Stellen wichtiger denn je.
Die Initiatoren erhoffen sich von dem Wettbewerb mehr Anerkennung für die Arbeit der Fahrer:innen und einen Imagegewinn für den Beruf. Antony Chandrasegaram liefert dafür ein anschauliches Beispiel: Wenn alles stillsteht, ist es oft der Mensch am Steuer, der den Unterschied macht.
Foto: Michael Fahrig