Clemens-Dülmer-Schule: Marode Bausubstanz – Stadt erwägt Abriss und Neubau
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Die geplante Sanierung und Erweiterung der Clemens-Dülmer-Schule steht vor einer grundlegenden Kehrtwende. Wie jetzt im Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft deutlich wurde, ist die vorhandene Bausubstanz – insbesondere Mauern und Decken – in einem so schlechten Zustand, dass sich die Sanierung erheblich verteuern könnte. Die Stadt denkt deshalb über einen kompletten Abriss und einen Neubau der Schule an der Stresemannstraße nach. Stadtbaurat Dave Welling dazu: „Darüber machen wir uns durchaus Gedanken.“
Damit liefert die Verwaltung erstmals eine konkrete Erklärung für die Verzögerungen, über die Made in Bocholt Anfang September berichtet hatte. Damals war bekannt geworden, dass die Stadt die europaweite Ausschreibung für die Erd- und Rohbauarbeiten ohne Zuschlag beendet hatte – obwohl acht Unternehmen fristgerecht Angebote abgegeben hatten. Der geschätzte Auftragswert dieses ersten von drei Bauabschnitten lag bei rund 1,8 Millionen Euro netto. In der amtlichen Bekanntmachung war lediglich von einer „Entscheidung des Beschaffers aufgrund geänderter Anforderungen“ die Rede.
Auf Nachfrage von Made in Bocholt sprach die Stadt seinerzeit von einem „konkreten Anpassungsbedarf im laufenden Planungsprozess“, den man „in enger Abstimmung mit der Schulleitung derzeit sorgfältig aufarbeitet“. Zu Zeitplänen, Kosten oder den genauen Inhalten der Ausschreibung wollte sich die Verwaltung nicht äußern. Dass der Zustand der Bausubstanz der Kern des Problems ist und ein Neubau im Raum steht, blieb damals unerwähnt. Erst jetzt, im Fachausschuss, wurde offen darüber gesprochen.
Der ursprüngliche Zeitplan ist damit endgültig hinfällig. Die Erd- und Rohbauarbeiten sollten am 24. August 2026 beginnen und bis Ende Mai 2028 dauern. Der Starttermin ist verstrichen, ohne dass ein Unternehmen beauftragt wurde. Für die acht Bieter – fünf kleine und zwei mittlere Betriebe, alle aus Deutschland – war der Kalkulationsaufwand vergeblich. Ob sie sich an einer neuen Ausschreibung beteiligen würden, ist offen.
Ebenfalls offen ist, wie teuer die Alternativen werden. Bei einer Sanierung drohen laut Verwaltung erhebliche Mehrkosten durch den schlechten Zustand von Mauern und Decken; ein Neubau würde das Projekt in eine völlig neue Dimension rücken. Konkrete Zahlen, einen Zeitplan für die Entscheidung oder Angaben dazu, wie der Schulbetrieb während einer möglichen Neubauphase organisiert werden soll, hat die Stadt bislang nicht vorgelegt.
Die Verwaltung hatte im September angekündigt, die überarbeitete Planungsvariante zunächst mit den zuständigen politischen Gremien abzustimmen und anschließend in einem Mediengespräch ausführlich zu informieren. Einen Termin dafür nannte sie nicht. Nach den jüngsten Aussagen im Betriebsausschuss dürfte klar sein, dass es dabei nicht um Detailkorrekturen, sondern um eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Schulstandorts geht.

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