„Müssen hinter einer Kennzahl den Menschen erkennen“: Volmering erinnert an demokratischen Neubeginn vor 80 Jahren
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Mit einem Rückblick auf den demokratischen Neubeginn vor 80 Jahren hat der Erste Stadtrat Björn Volmering heute die Ratssitzung in der Aula des St.-Georg-Gymnasium. Den Anlass für den historischen Bezug lieferte eine Gedenktafel, die Volmering nach eigenen Worten bei einem Spaziergang im Juni entdeckt hatte. Sie erinnert an die Wahl der Stadtverordnetenversammlung am 13. Oktober 1946 und deren ersten Zusammentritt am 30. Oktober 1946. Damals nahm in einer Stadt, in der es an nahezu allem fehlte, erstmals nach der nationalsozialistischen Diktatur wieder eine gewählte Gemeindevertretung ihre Arbeit auf. Rund 85 Prozent Bocholts waren zerstört, Rathaus und Ratssaal schwer beschädigt oder ausgebrannt.
Volmering zitierte aus einem Sitzungsprotokoll des Magistratskollegiums vom 17. September 1945, das im Stadtarchiv einsehbar ist. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Benölken habe darin die Wohnungsnot als entsetzlich bezeichnet und offen eingeräumt, noch nicht zu wissen, wie die Menschen im Winter untergebracht werden sollten. Zugleich kündigte Benölken an, alles zu versuchen, um die Bocholter in der Stadt zu behalten. Für Volmering liegt darin der Kern kommunaler Verantwortung: Man müsse nicht jede Antwort kennen, dürfe sich aber nicht mit den Verhältnissen abfinden. Ein weiteres Beispiel sei die Beanstandung der Brotzuteilung für kleine Kinder durch Bernhard Lensing, für die sich Benölken bedankte. Wer Verantwortung trage, müsse ansprechbar bleiben, so Volmering.
Zugleich warnte er davor, die Nachkriegszeit zur Metapher für heutige Haushaltsprobleme zu machen. Die Lage von damals sei mit der heutigen nicht vergleichbar. Verbindend sei allein die Verantwortung, unter den Bedingungen der eigenen Zeit für Bocholt einzustehen. Den Stadtverordneten dankte er ausdrücklich dafür, dass sie sich neben Beruf und Familie ehrenamtlich mit ihrem Namen in die Pflicht nehmen lassen. Die hauptamtlich Verantwortlichen in der Verwaltung müssten ihnen im Gegenzug eine tragfähige Entscheidungsgrundlage liefern und Beschlüsse verlässlich umsetzen.
Zum Schluss richtete er den Blick nach vorn. Die Stadtverordneten von 1946 hätten an einer Zukunft gearbeitet, die sie selbst kaum noch erleben sollten. Heute gehe es darum, einen handlungsfähigen Haushalt, verlässliche Infrastruktur, gute Bedingungen für Bildung und Arbeit und eine Stadtgesellschaft weiterzugeben, in der Menschen einander nicht gleichgültig sind. Er wünsche sich, dass die Nachfolger in 80 Jahren sagen könnten: Sie haben Verantwortung übernommen, ihre Stadt weiterentwickelt und dabei ihre Menschen nicht aus dem Blick verloren.

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