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„Welttag der Suizidprävention“ am Donnerstag, 10. September 2026

Lesezeit: ca. 4 Minuten


In Deutschland sterben jährlich über 10.000 Menschen durch Suizid. Noch deutlich mehr unternehmen einen Suizidversuch. Der „Welttag der Suizidprävention“ am 10. September macht auf dieses wichtige gesellschaftliche und gesundheitliche Thema aufmerksam. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises Borken nimmt den Aktionstag zum Anlass, für einen offenen Umgang mit Suizidalität zu sensibilisieren und über Hilfsangebote zu informieren.

„Der Welttag der Suizidprävention ist ein wichtiger Anlass, um auf das Thema Suizid aufmerksam zu machen, Vorurteile abzubauen und vor allem das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu stärken“, erklärt Reinhild Wantia, Fachabteilungsleiterin Psychosoziale Gesundheit des Kreises Borken.

Suizidalität ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Für viele Menschen ist es nach wie vor schwierig, über Suizidgedanken zu sprechen. Scham, Angst und Unsicherheit können dazu führen, dass Betroffene ihre Gedanken für sich behalten. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie andere Menschen aus dem sozialen Umfeld wissen häufig nicht, wie sie auf entsprechende Äußerungen oder Verhaltensänderungen reagieren sollen.

Ein offenes, wertschätzendes Gespräch ist ein wichtiger erster Schritt, um Menschen in einer Krise zu erreichen. „Die Sorge, durch eine direkte Frage Suizidgedanken erst auszulösen, ist wissenschaftlich nicht belegt“, betont Nadine Schneermann, Mitarbeiterin im Sozialpsychiatrischen Dienst Kreis Borken. Im Gegenteil: Die Möglichkeit zu bieten, über suizidale Gedanken zu sprechen, kann für Betroffene entlastend sein und dazu beitragen, den Zugang zu professioneller Unterstützung zu finden.

„Der Einstieg ins Gespräch muss weder perfekt noch besonders fachlich sein. Oft genügt eine konkrete Beobachtung wie: „Mir ist aufgefallen, dass du dich in letzter Zeit mehr zurückziehst. Ich mache mir Sorgen um dich. Wie geht es dir wirklich?““, erklärt Reinhild Wantia.

Nicht jede Verhaltensänderung ist ein Hinweis auf eine Suizidgefährdung. Mehrere gleichzeitige Verhaltensänderungen zusammen oder hoffnungslose, lebensmüde Äußerungen sollten jedoch aufmerksam machen. Wenn eine konkrete Sorge besteht, ist es dann wichtig, das Gespräch zu suchen. „Wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Mensch an Suizid denken könnte, fragen Sie danach. Das fällt sicherlich nicht leicht, ist aber wichtig“, ergänzt Jelena Borgers, Psychiatriekoordinatorin des Kreises Borken.

Wirksame Suizidprävention setzt an verschiedenen Stellen an. Dazu gehören zum Beispiel niedrigschwellige Beratungs- und Behandlungsangebote sowie die Förderung der Früherkennung von Suizidgefährdung. Außerdem wichtig: „Ein gesellschaftliches Klima, in welchem die Suizidproblematik wahr- und ernstgenommen wird“, so Jelena Borgers.

Im Kreis Borken ist der Sozialpsychiatrische Dienst eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in psychischen Krisen sowie deren Angehörige und ihr soziales Umfeld. Die persönliche Beratung und Begleitung sind auf akute Krisensituationen ausgerichtet. Die Mitarbeitenden arbeiten zudem mit weiteren psychiatrischen und psychosozialen Angeboten zusammen.

Die Erfahrung zeigt dabei, dass viele Menschen mit Suizidgedanken oftmals keinen vorsätzlichen Todeswunsch haben, sondern ihre aktuelle Lebenssituation als ausweglos wahrnehmen. Professionelle Unterstützung in dieser Lebensphase kann neue Perspektiven und Ziele schaffen und somit dabei helfen, suizidale Krisen zu überwinden. Das Erkennen von Frühwarnzeichen und Krisensymptomen sowie das Erlernen von Bewältigungsstrategien können dazu beitragen, künftigen suizidalen Krisen entgegenzuwirken.

Dabei muss niemand die Krise alleine bewältigen. Auch das Umfeld betroffener Personen darf Unterstützung und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Am Welttag der Suizidprävention steht deshalb die Botschaft im Mittelpunkt: Nicht wegschauen, nicht bagatellisieren – sondern zuhören, nachfragen und Hilfe vermitteln.

Denken Sie an Suizid oder machen Sie sich Sorgen um jemanden? Dann sollten Sie nicht allein bleiben und Unterstützung dazu holen. Bei unmittelbarer Gefahr bitte den Notruf 112 wählen. In einer akuten, nicht lebensbedrohlichen Krise kann die 116117 helfen.

Unter den kostenlosen Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 oder unter www.telefonseelsorge.de (online per Chat oder E-Mail) können Sie direkt Beratung und Hilfe bekommen.

Den Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Borken erreichen Sie unter 02861/681 6023 oder 02861/681 6007.

Quelle: Kreis Borken

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