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KOMMENTAR: Zwei Prinzen, ein Zeichen

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Bocholt bekommt in dieser Session ein Prinzenpaar, wie es das hier noch nicht gab: Prinz Christoph Vitz übernimmt die Rolle gemeinsam mit seinem Lebenspartner Uwe Hagestedt. Dabei hatte Vitz sich eigentlich schon eine Prinzessin ausgesucht, als der Bürgerausschuss zur Förderung des Bocholter Karnevals ihm als oberstes Gremium vorschlug, die Rolle erstmals doppelt zu besetzen. Der Ausschuss wollte damit ein Zeichen setzen.

Das ist bemerkenswert, und zwar in dieser Reihenfolge: Die Initiative kam nicht vom Prinzen, sondern von oben. Wer jetzt von Modernisierung des Karnevals spricht, sollte ehrlich dazusagen, dass hier ein Gremium Haltung zeigt. Das darf es, und es verdient Respekt, dass die Karnevalsführung nicht gewartet hat, bis jemand Druck macht. Aber ein Zeichen hat immer zwei Seiten: Es macht zwei Menschen zu Symbolfiguren, die womöglich einfach nur Prinz sein wollten. Wer eine Normalität setzen will, muss aufpassen, dass er sie nicht durch die Inszenierung gleich wieder verlässt.

Der Vorwurf, hier werde die Tradition gebrochen, greift trotzdem zu kurz. Das Prinzenpaar war nie ein Liebespaar, sondern eine Rolle: zwei Repräsentanten, die für ein paar Wochen die Narrenkrone der Stadt tragen. Dass das funktioniert, hat Bocholt schon vor Jahren gezeigt, als ein heterosexueller Prinz mit einer homosexuellen Prinzessin regierte. Niemand hat damals nach dem Privatleben gefragt, die Session lief, der Karneval hat gefeiert. Neu ist jetzt nur, dass die Rollenbesetzung offen zeigt, was bisher Privatsache blieb: Hier stehen zwei Männer, die wirklich ein Paar sind.

Den eigentlichen Haken liefert ausgerechnet ein Detail am Rande. Die beiden wollten bald heiraten und haben die Hochzeit verschoben. Das war auch nötig, denn die Statuten sehen vor, dass Ehepaare kein Prinzenpaar bilden können. Das ist keine Regel gegen Homosexuelle, sie gilt für alle.

Wer an Prinz und Prinzessin hängt, darf das weiterhin tun. Formen geben Halt, und die Sorge um vertraute Bilder ist keine Gesinnungsfrage. Aber Tradition wird nicht dadurch geschützt, dass man sie einfriert. Sie lebt davon, dass Menschen sie mit Leben füllen. Wenn zwei Prinzen das mit Humor, Haltung und Freude tun, ist der Bocholter Karneval seiner Tradition näher, als es jede Schablone sein könnte.

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