Grenzstädte schlagen Alarm: Niederländer kaufen verstärkt in Deutschland ein – Sprit drüben wieder günstiger

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Es ist eine kuriose Umkehrung: Noch vor wenigen Jahren fuhren Deutsche in Scharen über die Grenze in die Niederlande, um günstige Zigaretten und Kaffee zu kaufen. Heute läuft der Einkaufsverkehr in die andere Richtung – und niederländische Unternehmer und Kommunalpolitiker in der Grenzregion schlagen deshalb Alarm. Auch beim Kraftstoff hat sich das Bild zuletzt wieder gedreht: Seit ein paar Tagen ist Tanken in Aalten wieder günstiger als in Bocholt, nachdem lange Zeit umgekehrt die niederländische Seite die teurere war.
Peter Stoverink, Vorsitzender der Unternehmervereinigung Eibergen, und der Berkellander Stadtrat Han Boer nutzten den Besuch von Parlamentsabgeordneten im Zentrum von Eibergen, um für ihre Sorgen zu werben. Handwerksläden und kleine lokale Unternehmen verkümmerten, so ihre Botschaft, und das nicht nur in Eibergen, sondern in vielen Orten entlang der Grenze. Ihr Appell an die Politik: gemeinsam handeln.
Stoverink macht dafür nicht allein den Onlinehandel verantwortlich. Jedes Dorf und jede Stadt in der Region leide, sagt er, hinzu kämen höhere Verbrauchssteuern, Steuerunterschiede und regulatorischer Druck. Das führe zu deutlichen Preisunterschieden gegenüber Deutschland und treibe die Menschen über die Grenze.
Eine Umfrage unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) untermauert die Sorgen: 72 Prozent der Einwohner kaufen demnach in Deutschland ein, besonders gefragt sind Zigaretten, Bier, Spirituosen, Erfrischungsgetränke und Körperpflegeprodukte, die auf deutscher Seite günstiger sind. Das ziehe eine Reihe von Folgeproblemen nach sich, warnt Stoverink: Eine Innenstadt, die nicht mehr attraktiv sei, locke weder neue Unternehmer noch neue Einwohner an – und damit lasse sich auch das Leerstandsproblem nicht mehr lösen.
Das Problem beschränke sich längst nicht mehr auf die unmittelbaren Grenzgemeinden, sagt Marijke Vuik, Vorsitzende von MKB-Nederland. Bis zu 50 Kilometer von der Grenze entfernt könne es sich schon lohnen, in Deutschland einzukaufen. Untersuchungen von MKB-Nederland und dem Unternehmerverband VNO-NCW zeigen, dass 72 Prozent der Einwohner von Grenzgemeinden mindestens einmal im Monat in Deutschland einkaufen.