Der älteste Sportverein Bocholts feiert Jubiläum

Aus der Rede des Vorsitzenden Jürgen Meiermann bei Festakt:

An die 2.400 Mitglieder in nahezu allen Altersklassen haben heute ihr sportliches Zuhause im TSV Bocholt. Aktuell umfasst eine breite Sportpalette 23 unterschiedliche Angebote, in denen gut ausgebildete, erfahrene Fachkräfte das Einzelmitglied sowie die Familie betreuen. Die Vielfalt dieser Möglichkeiten, vermittelt in einer betont fröhlich-lockeren Art, macht den Turn- und Sport-verein Bocholt zu einem ebenso beliebten wie renommierten Club in unserer Region. Eine wechselvolle Geschichte, bestimmt von Tatkraft, Mut und Zuversicht, kennzeichnet seinen 150-jährigen Weg.

Als Hermann Lohmeyer, Sohn eines evangelischen Pastors, 1867 mit einigen wenigen Männern den Turnverein Bocholt gründete, begann der sportliche Betrieb unter schwierigsten Umständen. Der Saal im Hotel Bayerischer Hof, eine Halle im Hotel Gerbautet sowie der Schützenhaussaal dienten als erste Übungsstätten. Zur Jahrhundertwende zählte der TV Bocholt aber schon weit über 100 Mitglieder.

Die vorn 27, November 1896 datierte Gründungsurkunde des TV Phönix Bocholt verzeichnet bereits 36 Mitglieder. Unterzeichner als 1. Vorsitzender ist E. Markwort. Auch dem Turnverein Phönix blieben ohne eine Turnhalle Anfangsprobleme nicht erspart. Ein improvisierter Turnbetrieb startete in den Sälen der „Flora“, in Temmings „Rothenburg“ sowie in Gebbings „Zum Großen Kurfürsten“.

Ein Leitmotiv in jener Zeit: „Der Zweck des Vereins ist gemeinschaftliches Betreiben von Turnübungen“ weckte in der sportlichen Gründerzeit anfangs nicht das erhoffte Interesse. Erst eine sich vermehrt dem Sport zuwendende Gesellschaft sowie eine auch damit einhergehende Unterstützung machte es den Sportpionieren in den jungen Vereinen leichter.

Geografisch nur durch die schmale Straße Am Efing getrennt, verzeichneten die späteren Nachbarvereine TV Bocholt und TV Phönix Bocholt über die Jahre hinweg beide herausragende
Erfolge. Sportlich ähnlich strukturiert, lagen die Anfänge eindeutig im Turnen.

Das sich kontinuierlich erweiternde sportliche Angebot steigerte die Mitgliederzahlen, stellte aber die Verantwortlichen vor immer wieder, teils nur schwer zu bewältigende neue Aufgaben. Enge-gierte Vorstände sowie Vereinsangehörige stellten sich in den Dienst der Sache. Auch während zweier Weltkriege sorgten sie mit Ideen und Einsatz für das sportliche Weiterleben ihrer Ver-eine.

Einer der Beteiligten nannte es „ein sehr, sehr zartes Pflänzchen“. Gemeint war damit das erste Abtasten für ein eventuell späteres Fusionsgespräch zwischen dem TV Bocholt und dem TV Phönix Bocholt. Man traf sich damals, 2004, zu einem ersten Gespräch. Weitere Treffen, Wünsche, Planungen und Verhandlungen, letztere insbesondere auch mit der Stadt Bocholt, zogen sich über fünf Jahre hin.

Anfängliche Zweifel von Mitgliedern verblassten mehr und mehr. In getrennten, sehr emotionalen Versammlungen votierten am 17. November 2008 beide Vereine einstimmig für einen Zusammenschluss, für den künftigen TSV Bocholt von 1867/1896. Zum 01.Januar 2009 wurde die Fusion rechtsgültig. Die beiden Vereine haben damit eine Vorreiterstellung in dieser Region übernommen, die zukunftsweisend für andere Vereine war und heute auch noch ist.

Die Durchsicht historischer Vereinsunterlagen für dieses Jubiläum brachte höchst Erstaunliches zutage: Aus einer Zeitungsnotiz vom 22.01.1905 geht hervor, dass sich beide Vereine „Bocholter Turnverein“ und „Phönix“ zu Fusionsgesprächen getroffen haben. Bereits zwei Tage später sollte die Fusion so gut wie beschlossen sein. Leider war in dem Archiv hierzu keine weitere Aussage zu finden. 100 Jahre später fanden allerdings erste Fusionsgespräche statt, den Erfolg sehen Sie
heute.

Erschwerend zu den Fusionsverhandlungen kam hinzu, dass seitens der Stadt Bocholt erklärt wurde, dass die alten Standorte der Vereine nicht weiter zu Sportzwecken genutzt werden können. Die Flächen mussten für Bauland und der zukünftigen Nord-ring-Umgehung weichen. Von daher wurde den Vereinen diese Fläche am Hemdener Weg zur Verfügung gesteilt. Mit dem Ergebnis hier sind wir sehr zufrieden.

Am 24. September 2011 hat der TSV Bocholt dieses Haus bezogen. Nach Fertigstellung der weiträumigen Außenanlagen 2014, schwanden allerletzte Vorbehalte. Durch viel Zustimmung und Lob, auch von auswärtigen Besuchern, sah sich der geschäftsführende Vorstand in seiner Arbeit bestätigt

Weder den überkandidelten Sportpalast noch skurrile Architektur waren in der Planung angedacht. Zukunftsgerecht, augenfällig, darüber hinaus in allen Bereichen funktional, so sollte sie sein. Und so ist sie geworden, die neue und künftige Heimat des TSV Bocholt auch als Ergebnis einer 150-jährigen Geschichte.

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