KOMMENTAR: Bocholts Städtepartnerschaften – außer Spesen nicht viel gewesen!

KOMMENTAR: Bocholts Städtepartnerschaften – außer Spesen nicht viel gewesen!
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Ein Kommentar von BERTHOLD BLESENKEMPER

Bocholts Städtepartnerschaften leiden unter „nachlassenden Begegnungen auf der zivilgesellschaftlichen Ebene“ zitierte dass BBV am Wochenende die Partnerschaftsbeauftragte Petra Taubach. Im Umkehrschluss und Normaldeutsch heißt das: Fast nur noch offizielle Delegationen besuchen Aurillac (Frankreich), Rossendale (England) , Bocholt (Belgien) und Akmene (Litauen). Noch seltener sind die Kontakte zu den Freunden in Wuxi (China) und Yumbo (Kolumbien). Dennoch treibt die Stadt zurzeit eine weitere Freundschaft zu Vlora (Albanien) voran. Eine Partnerschaft in den benachbarten Niederlanden allerdings findet partout keine Mehrheit.

Dabei lebt der Europagedanke doch vor allem von der Begegnung der Bürgerinnen und Bürger. Vor 20 Jahren war die noch alltäglich. Schulklassen und Vereine besuchten Aurillac und Rossendale. Das ist längst vorbei. Grund ist zum eine gewissen Europamüdigkeit, aber auch die Tatsache, dass Klassen heute für ihre Fahrten größere und vor allem attraktivere Ziele wählen. Eine Ausnahme ist das St.-Georg-Gymnasium, das zumindest noch Kontakte nach Wuxi pflegt. Aber auch in umgekehrter Richtung geht nicht mehr viel.

Den Städten gelingt es ganz offensichtlich nicht mehr, die Partnerschaften mit Leben zu füllen. Das liegt zum einen an deren inflationären Entwicklung, mehr aber noch an der unglücklichen Auswahl. Entschuldigung; Aber wer außer den offiziellen Delegationen, die sich größtenteils auf Kosten der jeweiligen Steuerzahler der Gastgeberstadt ein paar Tage in Litauen, Albanien und in Übersee aufhalten dürfen und auch noch die Fahrt- oder Flugkosten erstattet bekommen, kommt denn schon nach Akmene, Vlora, Wuxi oder Yumbo? Oder anders gefragt: Wer will überhaupt dorthin? Entsprechend sehen die gegenseitigen Besuchsbilanzen aus. Außer Delegationsspesen nicht viel gewesen…

Dabei liegt das Gute doch so nah. Die Niederlande beispielsweise hat wunderschöne Städte die notfalls sogar mit dem Fahrrad statt mit dem Flieger erreichbar wären. Hier böten sich regelmäßige, gegenseitige Besuch der Bürgerinnen und Bürger förmlich an. Doch in der heimischen Lokalpolitik findet sich dafür keine Mehrheit. „Nicht notwendig“, heißt es mehrheitlich. Man verweist auf die guten Kontakte zu Aalten, Winterswijk und anderen Kommunen innerhalb der Euregio. Dabei ist das überhaupt nicht vergleichbar. Aalten, Bredevoort und Winterswijk sind für Normalbocholter wie Rhede, Isselburg oder Dingden. Die Menschen dort besucht man nicht als Partner, sondern man lebt mit ihnen als Nachbarn. Wer Plattdeutsch kann, spricht in Teilen sogar die gleiche Sprache. Das sieht in Provinzen wie Friesland, Zeeland oder Flevoland schon ganz anders aus.

Übrigens: Eine nicht repräsentative Umfrage von Made in Bocholt auf Facebook, an der bisher 163 Menschen teilgenommen haben, hat ergeben, dass etwas mehr als 96 Prozent der Bocholterinnen und Bocholter eine Partnerstadt in den Niederlanden gut fänden.

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