Das war ein netter Spaziergang durch die Stadt

Das war ein netter Spaziergang durch die Stadt
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Das war ein wundervoller Spaziergang durch die Stadt. Der Regen hatte aufgehört, die Stimmung war prächtig. Es gab viel Interessantes zu erfahren und Lustiges zum Lachen. Wer bei der ersten interkulturellen Stadtführung in Bocholt nicht dabei war, hat einiges verpasst.

In der Interkulturellen Projektwerkstatt in der Volkshochschule (VHS) entstand die Idee: Alle gebürtigen Bocholterinnen und Bocholter und alle, die aus anderen Städten und anderen Ländern nach Bocholt gekommen sind, waren eingeladen, durch die Innenstadt zu spazieren und dabei zu sehen und zu hören, was für Bocholt typisch ist. Um diese Stadt und ihre Menschen ein bisschen kennenzulernen und um sich über unterschiedliche Kulturen auszutauschen. Auf Deutsch, aber gerne auch auf Englisch, Arabisch oder in anderen Sprachen.

Eigentlich ist eine solche Gruppenführung mit mehr als zwölf Teilnehmern schwierig. Aber das Interesse war viel größer: 24 Personen kamen und ließen sich von Florian Sauret und Beschank Mohamed durch die Stadt begleiten. Die beiden Stadtführer hatten sich genau überlegt, was die Teilnehmer wohl interessieren könnte.

Im Stadtmuseum
Die erste Station der Führung war das Stadtmuseum an der Osterstraße. Dort gibt es ein hübsches Modell der Stadt, an dem man sehen kann, wie Bocholt im Mittelalter ausgesehen hat. Daraus lässt sich einiges auch über das heutige Bocholt ablesen und erklären. Besonders einschneidend für die Entwicklung der Stadt war der Zweite Weltkrieg. Auch das wird im Museum dokumentiert. Bocholt wurde bombardiert. Bewohner wurden getötet, andere flüchteten aus der Stadt, die später Kriegsflüchtlinge aufnahm. Im Stadtwaldlager waren Kriegsgefangene aus Russland und aus anderen Ländern untergebracht. Sie mussten zwangsweise arbeiten, viele starben durch Hunger, Krankheit oder Gewalt. Heute ist dort der Stadtwald, in dem viele Menschen aus vielen Nationen spazierengehen.

Beim Bäcker
Brot ist ein Nahrungsmittel in allen Kulturen – und überall ist es unterschiedlich. Schmecken und vergleichen konnten die Teilnehmer das bei zwei Bäckern, die die Führung freundlicherweise unterstützten: bei TasFirin Börek an der Osterstraße und anschließend in der Bäckerei Schröer an der Wesemannstraße. Beschank Mohamed erzählte unterhaltsam und mit Humor, wie er sich an das deutsche Frühstück gewöhnen musste. Und er erklärte, warum es vielen seiner syrischen Landsleute schwerfällt, eine deutsche Bäckerei zu betreten, die für sie irgendwie so nobel und teuer aussehe.

Bei beiden Bäckern gab es Kostproben, und die Teilnehmer diskutierten munter miteinander. Das ging auf dem Gasthausplatz, wo der Bocholter Wochenmarkt stattfindet, weiter. Märkte gibt es weltweit, sie sind Orte der Kommunikation. Vielleicht ließe sich auf dem Bocholter Markt auch die interkulturelle Begegnung intensivieren, meinten Teilnehmer. Vielleicht könnte es dort etwa einen orientalischen Gemüsehändler geben. Die nächste interkulturelle Führung am 21. März wird zur Marktzeit stattfinden, und dann wird dieses Thema sicherlich eine Rolle spielen.

Bocholts historisches Rathaus am Markt war die letzte Station des Spaziergangs. Auch hier wusste Florian Sauret ebenso professionell wie humorvoll Interessantes zu erzählen.

Nächste Führung, nächste Chance
Die Bilanz der Teilnehmer war positiv: Die Führung hatte Spaß gemacht, man hatte viel erfahren und interessante Gespräche geführt. Manche Bocholter waren vorher noch nie im Stadtmuseum gewesen und waren dort beeindruckt.

Ein bisschen traurig waren die Initiatoren der Interkulturellen Projektwerkstatt und die beiden engagierten Stadtführer trotzdem: Unter den Teilnehmern gab es nur ganz wenige, die nicht aus Bocholt stammten, sondern relativ neu hier sind – aus beruflichen oder privaten Gründen oder als Geflüchtete. Woran lag das? Kein Interesse für die Stadt? Kein Mut? Dabei ist eine solche Führung eine Chance – und zudem eine unterhaltsame Sache.

Zum Glück gibt es weitere Möglichkeiten: am Samstag, 21. März, von 11 bis 13 Uhr (noch fünf freie Plätze) und am Montag, 6. April, von 17 bis 19 Uhr (noch zehn freie Plätze) finden erneut interkulturelle Stadtführungen statt. Dafür kann sich jeder bei der Volkshochschule (Tel. 02871/25220) anmelden.

Orbis

Über Orbis

Das Projekt Orbis liefert verständliche Informationen in mehreren Sprachen, in denen ein Großteil der in Bocholt lebenden Menschen erreichbar ist. Die Berichte erstellt allein die Projektgruppe. Inhaltlich verantwortlich ist Hans-Jürgen Dickmann, Up'm Höwel 45, 46399 Bocholt, Telefon 02871 3 17 82