Eklat beim Parteitag der Bocholter Grünen

Eklat beim Parteitag der Bocholter Grünen
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Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Es war ein Eklat. Kaum hatte die Orts- und Kreisvorsitzende Monika Ludwig beim Parteitag der Bocholter Grünen ihre Bürgermeisterkandidatur mit dem – allerdings wohl etwas unglücklichen – Einstieg „Ich mache es, weil sonst keiner wollte“ angekündigt, fiel ein großer Teil der eigenen Partei über sie her. Sie besitze keinerlei Kompetenz für das Amt und setzte sich nur dank der vielköpfigen eigenen Familie durch, hieß es. Sogar Vergleiche zum Trump-Clan wurden gezogen. Doch die Gegner – allen voran das grüne Ratsmitglied Vera Timotijevic – hatten offenbar den Kampfgeist der 61-Jährigen unterschätzt. Die grünen Wähler bräuchten ein grünes Angebot, sonst werde sich in Bocholt nie etwas ändern, meinte Ludwig und wurde am Ende von 14 Parteimitliedern bei 6 Gegenstimmen doch noch nominiert.

Schon zu Beginn des Ortsparteitages brodelt es. Mehrere Mitglieder bezweifelten, dass es bei der Vorauswahl der Bürgermeisterkandidatin korrekt zugegangen sei. Doch ihr Versuch scheiterte, die Nominierung auszusetzen oder zumindest zu verschieben. Als Ludwig dann ihre Beweggründe für eine Kandidatur vorstellte, kam es zu einer Aussprache und zu einer Diskussion, die auch verbale Tiefschläge nicht scheute. „Wir sollten den Wähler nicht glauben lassen, wir hätten qualifizierte Leute in unseren Reihen“, meinte Professor Gregor Kroesen. Vera Timotijevic ging sogar noch weiter und meinte: „Keiner kommt schließlich auf die Idee, sich von einem Klempner operieren zu lassen.“

Monika Ludwig nahm den Kritikern jedoch den Wind aus den Segeln, indem sie klarstellte, dass es nicht auf juristische Qualifikationen oder jeder Menge Verwaltungserfahrung, sondern auf Haltung, Bürgernähe und Durchsetzungskraft ankomme. „Wir suchen keinen Verwaltungsdirektor, sondern einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin“, meinte sie. Vor diesem Hintergrund fände sie es schade, wenn es unter den Kandidaten keine einzige Frau und keine(n) Grüne(n) gäbe. Parteien sollten Angebote machen und dem Bürgerinnen und Bürgern dann die Entscheidung überlassen statt durch eine interne Vorauswahl oder gar einen Selbstverzicht deren Wahlmöglichkeiten einzuschränken, so die Ortsvorsitzende.

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Fotos: Monika Ludwig (2.vl.) neben ihren schärfsten Kritikerin Vera Timotijevic

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