Stadtgeschichte: Das Kriegerdenkmal in der St.-Georg-Kirche

Stadtgeschichte: Das Kriegerdenkmal in der St.-Georg-Kirche
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Bocholt (PID). Im November 1918 war der Erste Weltkrieg für alle Beteiligten mit verheerenden Verlusten zu Ende gegangen. Deutschland lag mit einer Schuldenlast von 145,5 Milliarden Mark am Boden, etwa zwei Millionen Kriegstote waren hierzulande zu beklagen. Nach aktuellen Ermittlungen betrug die Zahl der Gefallenen bezogen auf das heutige Bocholter Stadtgebiet insgesamt 1.091.
Am 31. Dezember 1918 lud die katholische Pfarrgemeinde St. Georg die Gläubigen zur traditionellen Jahresschlussandacht ein, die nach Presseangaben “in dichten Reihen die Kirche füllten.” In seiner Silvesterpredigt gab Pfarrer Franz Richter u. a. bekannt, dass in der Kirche eine Art Kriegergedächtnisaltar als Denkmal für die im Krieg gefallenen Soldaten aus der Kirchengemeinde errichtet werden solle.
Wandrelief und 340 Namen
Den Auftrag für das Wandrelief erhielt der Klever Bildhauer Gerd Brüx. Es stellt die vierte Kreuzwegstation “Die Begegnung Christi mit seiner Mutter” dar und ist in eine Holzverkleidung gefasst. An dessen rechteckiger Bekrönung sind mit jeweils zwei gekreuzten Schwertern Symbole des Krieges zu erkennen. Die Schnitzereien links und rechts davon könnte man als Geschütze oder Kanonen deuten. Des Weiteren enthalten die Ornamente an der seitlichen Umrahmung der Reliefgruppe die Jahreszahlen 1914 und 1919.
Über der Bildhauerarbeit sind an der Wand schließlich ein Eisernes Kreuz und in Versalien unter dem Titel “Im Weltkriege 1914-1919 starben aus der Pfarrgemeinde den Heldentod für’s Vaterland” insgesamt 340 Namen von Gefallenen aus der Pfarre eingetragen. Ihre Sortierung unter dem Anschlag der fünf Kriegsjahre gestaltet sich jeweils alphabetisch. Jedoch fallen die in der Reihe über dem Kürzel “RIP” (Requiescat In Pace = Ruhe in Frieden) eingelassenen und mit ihren Todesjahren versehenen Namen von Heinrich Eilhardt, Heinrich Kerkmann und Wilhelm Reygers aus der zeitlichen und alphabetischen Ordnung heraus. Es handelt sich hierbei offenbar um Ergänzungen, die man später vornahm.
Brand der Kirche vernichtete Ehrenmal
Das vermutlich 1921 errichtete Kriegerdenkmal in der Pfarrkirche St. Georg befand sich an der Westwand des südlichen Seitenschiffes, unmittelbar neben der Tür zum Turmaufgang. Das Foto aus den zwanziger Jahren vermittelt überdies einen Eindruck von der reichen Ausstattung und Bemalung der Kirche, die beim Bombenangriff 1945 schwer getroffen wurde. Der Brand vernichtete auch das Ehrenmal bis auf das steinerne Relief. Dieses hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.
Foto: Pfarrarchiv St. Georg, Text: Wolfgang Tembrink, Stadtarchiv Bocholt