September 15, 2021

Unternehmen im Industriepark könnten 2 Millionen Euro sparen

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Bocholt. Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel auf Unternehmen in der Region? Worauf müssen sich Firmenchefs schon heute vorbereiten? Wie lassen sich künftig Arbeitskräfte, besonders Fachkräfte, gewinnen? Und ältere möglichst lange halten? Damit beschäftigt sich ein Forschungsprojekt in Bocholt unter dem Titel „AlterNsgerechte Arbeitsbedingungen im Industriepark Bocholt“. Im vergangenen Jahr starteten die Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Stadt Bocholt (EWIBO) und die Wirtschaftsförderung Bocholt mit mehreren wissenschaftlichen Instituten dieses Projekt zur Entwicklung innovativer Ansätze in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge sowie alternsgerechter Arbeitsbedingungen. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds werden in verschiedenen Stufen, die Rahmenbedingungen in sieben Unternehmen im Bocholter Industriepark untersucht, welche sich an diesem Projekt beteiligen.

Aktuell führt das Projektteam unter der Leitung der EWIBO in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Bocholt, der Westfälischen Hochschule und dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE, Ludwigshafen) eine Befragung von 1.450 Mitarbeitern dieser Bocholter Unternehmen durch, aus der Erkenntnisse im Hinblick auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen aus Beschäftigtensicht erlangt werden sollen. In einem ersten Schritt wurden im Vorfeld bereits Chefs und Personalverantwortliche der Firmen interviewt. Projektziel ist die Entwicklung entsprechender Angebote im Hinblick auf die Gesundheitsförderung und die Gestaltung „alternsgerechter“ Arbeitsbedingungen. Hierbei wird geprüft, inwieweit auch betriebsübergreifende Lösungen umgesetzt werden können. So kann einerseits den Beschäftigten, den kleinen und mittleren Unternehmen geholfen werden und andererseits hieraus ein Standortmerkmal für den Industriepark sowie für Bocholt werden.

Denn bereits heute sind im gesamten Industriepark gut 1.400 Beschäftigte der Altersgruppe ab 55 Jahren zuzurechnen. Dies spiegelt die grundsätzliche Altersentwicklung in den meisten Betrieben und Unternehmen wieder. So befindet sich etwa jeder fünfte Beschäftigte in der „finalen“ Lebensarbeitsphase. Beschäftigte in diesem Alter sind zwar nicht häufiger, doch aber je Erkrankungsfall insgesamt länger krank als jüngere Arbeitnehmer. Mit dem so zunehmenden Alter der Belegschaften, wird deshalb auch die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit von aktuell 12,5 auf 14,0 Krankheitstagen im Jahr 2030 ansteigen. Dann werden voraussichtlich mehr als 2.000 Menschen im Industriepark arbeiten, die 55 Jahre oder älter sind. Allein die Summe der durch die Arbeitgeber im Industriepark geleisteten Lohnfortzahlungskosten belief sich im Jahr 2014 auf etwa 13,6 Millionen Euro. Gelänge es durch ein proaktives betriebliches Gesundheitsmanagement und die Gestaltung passender Arbeitsbedingungen den Krankenstand um 15% zu senken, könnten die Firmen mindestens zwei Millionen Euro im Jahr einsparen.

Neben diesem unternehmerischen Ziel sollen für die Beschäftigten eben „alternsgerechte“ Arbeitsbedingungen untersucht werden, welche ihnen Perspektiven bis zur Erreichung des Rentenalters aufzeigen. So ist die Beteiligung der Beschäftigten an der Befragung eine der Grundlagen für eine praxisorientierte Entwicklung dieser Maßnahmen im Hinblick auf die Gesundheitsförderung, mögliche Weiterbildungsangebote sowie eine bessere Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung. Jeder einzelne Mitarbeiter und jede einzelne Mitarbeiterin kennt dabei den eigenen Arbeitsplatz am besten. Das Projektteam erwartet daher eine hohe Beteiligung an dieser Befragung, da es im Eigeninteresse der Beschäftigten liegt, zukunftsfähige Arbeitsbedingungen zu entwickeln, welche ein „Altern“ im Arbeitsleben ermöglichen und der Gesundheitsförderung im Unternehmen dienen.

Die Ergebnisse aus dieser Mitarbeiterbefragung, welche bis zum 19.02. durchgeführt wird, werden im Frühjahr erwartet und mit Erkenntnissen der vorangegangenen Managementbefragung von den wissenschaftlichen Instituten zusammengeführt und analysiert. In Workshops mit den beteiligten Unternehmen werden hieraus dann im weiteren Verlauf überbetriebliche Lösungsansätze entwickelt.

Eine erste Zwischenbilanz wurde schon Ende Januar der Regionalagentur Münsterland in Greven vorgestellt. Bei diesem Treffen waren Vertreter aus Verwaltung, Verbänden, Institutionen und der Wirtschaft zugegen.

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