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Unternehmerverband wirbt dafür, die Digitalisierung zu nutzen

Unternehmerverband wirbt dafür, die Digitalisierung zu nutzen
Wirtschaft

Den winterlichen Nachmittag mit den Kindern kurzfristig im Schnee verbringen und dafür den Rest der Arbeit abends auf dem Sofa erledigen. Zwischen den Feiertagen die ein oder andere E-Mail bearbeiten anstatt zum Jahresbeginn ein überquellendes Postfach zu haben. „Arbeitnehmer wünschen sich flexible Arbeitsbedingungen. Smartphone, überall verfügbares Internet und Digitalisierung machen es möglich, unabhängig von Ort und Zeit zu arbeiten“, erläutert Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Er reagiert damit auf die Forderung von Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, dienstliche E-Mails nach Feierabend und am Wochenende aus den Mailkonten von Mitarbeitern zu löschen. „Das entspricht absolut nicht den Wünschen der allermeisten Mitarbeiter. Für die junge Generation wirken solche Forderungen wie eine Rolle rückwärts in die Steinzeit“, kritisiert Schmitz.

In der Metall- und Elektroindustrie – der Unternehmerverband vertritt in dieser Branche zahlreiche Firmen an Rhein und Ruhr tarifpolitisch – machte eine repräsentative Emnid-Umfrage deutlich: Gerade einmal zwei Prozent aller Arbeitnehmer gaben an, dass der Arbeitgeber eine Erreichbarkeit außerhalb der normalen Arbeitszeiten erwartet. 89 Prozent aller Arbeitnehmer würden maximal einmal im Monat auch wirklich vom Vorgesetzten kontaktiert. „Wenn es ein Problem gibt, dann doch wohl nicht, dass eine E-Mail geschrieben wird, sondern dass das Gefühl besteht, sie müsse sofort bearbeitet werden“, sagte Schmitz. Dies müsse sinnvollerweise auf Betriebsebene geklärt werden, betonte der Rechtsanwalt. „Die Unternehmen haben doch ein großes eigenes Interesse daran, anständig mit ihren Fachkräften umzugehen. Schließlich wollen sie gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Arbeitskräfte an sich binden”, erläutert Schmitz. Im Übrigen seien die bereits bestehenden Arbeitsschutzgesetze schon überaus umfassend und im Sinne der Arbeitnehmer ausgestaltet.

Die strikte Trennung von Privatem und Beruflichem, auf die Betriebsräte und Gewerkschaften stets pochen, entspricht nicht mehr dem Lebensgefühl der neuen Mitarbeiter-Generation. „Die jungen Leute, gerne wird ja auch von der Generation Y gesprochen, wollen ihre Zeit sinnvoll und selbstbestimmt verbringen. Die Digitalisierung gibt ihnen dafür die nötige Flexibilität“, erläutert Schmitz. Das gilt auch für das Home-Office, das quer durch alle Altersgruppen beliebter wird. Das ergab eine Umfrage des Böckler-Instituts, das ja gewerkschaftsnah, also von Arbeitnehmerinteressen gelenkt, ist. Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie bereits häufiger von zu Hause aus arbeiten; ein weiteres Drittel würde es gerne. „Die aktuelle Forderung, E-Mails am Abend zu löschen, widerspricht also den Wünschen der eigenen Klientel“, wundert sich Schmitz.

„Die Argumente von gestern sind für die Arbeitswelt von morgen völlig ungeeignet“ – womit Wolfgang Schmitz auch auf die überholte deutsche Gesetzgebung zur Arbeitszeit abzielt. „Unser Arbeitszeitgesetz schreibt nach der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhepause von elf Stunden vor. Natürlich hat sich der Arbeitnehmerschutz in Deutschland bewährt. Er passt aber nicht mehr in unsere digitalisierte Welt“, sagt Wolfgang Schmitz. Für den Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes ist klar: „Die Vorstellung, dass man 9-to-5 morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet. Die Digitalisierung braucht moderne Antworten.“

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