Winterchaos: Wurde in Bocholt zu spät massiv Streusalz eingesetzt?

Winterchaos: Wurde in Bocholt zu spät massiv Streusalz eingesetzt?
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Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Mittags gegen 14 Uhr auf der Adenauerallee in Bocholt. Weil die Radwege noch immer nicht nicht geräumt sind, nutzt eine Radfahrerin eine schmale, schneefreie Spur auf der Fahrbahn, um in Richtung Stenern weiterzukommen. Hinter ihr reihen sich in langsamer Fahrt die Autos ein. Ein Fahrer scheint genervt. Und damit ist er am vierten Tage des Winterchaos nicht allein. Während im benachbarten Aalten die Hauptstraßen komplett frei sind, die Bahnen und Busse fahren (wenn auch wegen der schwer einhaltbaren Taktung mit Ausfällen), geht auf der deutschen Seite im öffentlichen Nahverkehr seit Tagen nichts. „Wir sind vom Winterdienst abhängig“, heißt es bei der StadtBus GmbH. Doch der Winterdienst scheint der Lage trotz des aufopferungsvollen Dauereinsatzes der Teams nicht Herr zu werden. Selbst auf dem dem Stadtring liegt noch immer jede Menge Schnee und Matsch – von den Nebenstraßen ganz zu schweigen. Die Stadt spricht von einer Sondersituation und viel Eis auf dem Asphalt. Das wiederum werten Kritiker als Zeichen dafür, dass in Bocholt zu spät massiv Streusalz eingesetzt wurde.

Zwischenzeitlich soll, so hielten sich Gerüchte in der Stadt, das Salz sogar ausgegangen sein. Hat die Stadt etwa zu wenig eingekauft? „Das stellt sich immer erst nach Ablauf eines Winters heraus. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Engpässe. Aktuell steht ausreichend Salz zur Verfügung“, antwortet Stadtsprecher Karsten Tersteegen. Fehlt es eventuell an Gerät oder Personal? „In einem Winter wie diesen hätte der ESB sicher Verwendung für weitere Räumgeräte gehabt. Aufgrund der Vielseitigkeit seiner Beschäftigten ist der ESB in der Lage, auf Sondersituationen zu reagieren. Aktuell sind auch Mitarbeiter der Müllabfuhr und der Kanalunterhaltung im Winterdienst eingebunden. Alle Räumfahrzeuge können mit dem vorhandenen Personal zweischichtig von 5 bis 21 Uhr besetzt werden“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Der ESB kooperiert zudem mit verschiedenen heimischen Unternehmen. Derzeit seien zehn Radlader mit Fahrern von Fremdfirmen im Einsatz, so das Presseamt. Auch wird nach Ansicht der Verwaltung genug gestreut, pro Durchgang rund 40 Gramm je Quadratmeter. „Eine schwarze Asphaltschicht ist trotzdem an etlichen Stellen noch nicht zu erkennen. Hier kommen verschiedene Aspekte zusammen, insbesondere die Schneemenge und die dauerhaft niedrigen Temperaturen. Den Räumfahrzeugen gelingt es an vielen Stellen noch nicht, die harte Eisschicht aufzubrechen. Dabei ist zu bedenken, dass die Tauwirkung von Streusalz bei minus 6 Grad deutlich geringer ausfällt als bei minus 1 Grad“, so Tersteegen.

Warum aber klappt es dann außerhalb Bocholts, wo exakt die gleichen Bedingungen Wetter-, Schnee und Temperaturbedingungen herrschten, so gut? Haben die Holländer oder die Borkener, bei denen viele Hauptstraßen in der Stadt komplett schneefrei sind, denn anderes, eventuell besseres Salz, fragen manche Nutzer der sozialen Medien? Nein, aber vor allem die Niederländer setzen Salz in der Regel schon sehr früh massiv ein. Dadurch wird verhindert, dass sich auf dem Asphalt Eis bildet, auf den ich wiederum Schnee ablagert. Der nämlich fährt sich schnell fest, was dazu führen kann, dass Räumfahrzeuge nur immer die oberste Schicht wegschieben können.

Und wann werden in Bocholt auch die Nebenstraßen geräumt? Antwort aus dem Rathaus: „Das hängt von der Priorität der Nebenstraßen ab. Derzeit arbeitet der ESB intensiv an den Buslinien. Eine Räumung aller städtischer Straßen wird es nicht geben. In den nicht vom Winterdienst befahrenen Straßen tritt eine spürbare Verbesserung erst bei Tauwetterlage ein.“

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