Stadtgeschichte: Bischofsbesuch 1939 in Bocholt

Stadtgeschichte: Bischofsbesuch 1939 in Bocholt
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Bocholt (PID). Vom 16. bis 22. Juli 1939 besuchte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen (1878-1946), Bocholt und die umliegenden Gemeinden. Es handelte sich um den zweiten Aufenthalt des als „Löwe von Münster“ bekannten mutigen Kirchenfürsten, der schon Anfang 1937 für einige Tage nach Bocholt gekommen war.
Vor allem für die Katholiken der Stadt brachte diese Visite in der Zeit der Gleichförmigkeit des Nationalsozialismus einige “Tage erhebender Freude und Begeisterung”, wie der Kirchenkalender 1940 bemerkt.
Bischof Clemens August Graf von Galen befand sich auf einer Firmreise durch mehrere Gemeinden des Dekanates Bocholt. Er traf sonntags nachmittags von Dingden kommend in Bocholt ein, wo er am Ortseingang von Radfahrern und Reitern abgeholt wurde. An der Kaiser-Wilhelm-Straße empfingen ihn die in Bocholt wirkenden katholischen Geistlichen und die Vertreter der einzelnen Kirchenvorstände. Im Beisein vieler Tausender wurde der Diözesanbischof sodann in einer feierlichen Prozession durch die Straßen geführt und zur St.-Georg-Kirche geleitet.
Bischof spendete Sakrament der Firmung
Das Foto zeigt den Bischof auf dem Horst-Wessel-Platz, wie der heutige Markt vor dem Rathaus damals hieß, umgeben von seinen Begleitern und Geistlichen sowie von zahlreichen Schaulustigen. Er passiert gerade den italienischen Eissalon von Pietro Leon an der Nordseite des Marktes und befindet sich offenbar auf direktem Weg zur Georgskirche. Auf dem Besuchsprogramm stand zunächst die Firmung von Schulkindern aus vier Jahrgängen. Mit einigen Erwachsenen zählte man insgesamt rund 900 Firmbewerber.
Am 17. Juli fuhr der Bischof nach Spork. In der Landgemeinde wurde er ebenfalls von einer Hundertschaft an Reitern und Radfahrern empfangen und zur St.-Ludgerus-Kirche geführt. Dort spendete er sodann 126 Kindern das Sakrament der Firmung. In der Pfarrgemeinde Liebfrauen waren es am Folgetag 462 Kinder und im Pfarrrektorat Ss. Ewaldi 304 Firmlinge. Am 18. Juli fand die Firm-Erneuerungsfeier der Männer und Jungmänner statt, zu der sich die Teilnehmer aus Stadt und Land in großer Gemeinschaft zusammenfanden.
Darüber hinaus segnete Bischof von Galen am 19. Juli das neu erbaute Pfarrhaus der Gemeinde Hl. Kreuz ein. Zum Abschluss seiner Firmreise begab er sich schließlich am 22. Juli in die Gemeinde Hemden und nahm dort die Einsegnung der St.-Helena-Kapelle vor, die bis Anfang Mai 1939 neben dem städtischen Jugendheim in der Walderholung gestanden hatte und nach ihrem Abbruch in der Nähe der Hemdener Schule wiedererrichtet worden war.
Herausragendes kirchliches Ereignis
Für die Katholiken der Stadt Bocholt und des Umlandes war der Bischofsbesuch sicherlich ein herausragendes kirchliches Ereignis, dem man aber in der vom damaligen politischen Zeitgeist durchsetzten Presse nur wenig Bedeutung zuschrieb.
Foto: Stadtarchiv Bocholt, Text: Wolfgang Tembrink

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